Berlin im 19. Jahrhundert

Die Geschichte Brandenburgs bleibt ohne Berlin unvollständig. Über Jahrhunderte war die Stadt das Zentrum des Landes und die eigentliche Residenz der Kurfürsten und Könige aus dem Haus der Hohenzollern. Gleichermaßen wie Brandenburg war die Entwicklung der Stadt durch die zahlreichen Migranten geprägt, die sich hier niederließen. Im 17. Jahrhundert begann der großzügige Ausbau der Stadt, neue Quartiere entstanden, Menschen aus aller Herren Länder zogen in die Metropole. Um 1700 war ein Viertel der Berliner französisch. Mitte des 18. Jahrhunderts hatte sich die Stadt nicht nur zu einem politischen, sondern auch zu einem der wichtigsten wirtschaftlichen Zentren des Alten Reichs entwickelt: nicht zuletzt durch die von Migranten aufgebauten Manufakturen.

Auch im 19. Jahrhundert, dem Zeitalter der Industrialisierung, blieb die Zuwanderung in die Stadt ungebrochen, die sich immer weiter in das umgebende Umland ausbreitete. Zwischen 1849 und 1871 verdoppelte sich die Bevölkerung von 412 154 Einwohner*innen auf 825 937. 30 Jahre später waren es bereits um die zwei Millionen. 1864 waren etwas über die Hälfte der Berliner*innen nicht in der Stadt geboren. Mit etwa einem Drittel stellten Menschen aus Brandenburg den größten Anteil der Zuwanderer, die zweitgrößte Gruppe kam aus dem heutigen Polen. Die Migranten deckten den Bedarf an Arbeitern für die Industrie im Maschinenbau wie Metallverarbeitung sowie in den kleinen Textil- und Bekleidungsbetrieben. Schon vor der Ausrufung des Deutschen Kaiserreichs 1871 war Berlin die größte deutsche Industriestadt. Doch auch weiterhin wuchs die Stadt, neue Industrien, Elektronik und Chemie, Bau- und Eisenbahn kamen hinzu, immer mehr Menschen wanderten ein. Die Stadt wurde auch zum Umschlagplatz für diejenigen vornehmlich polnischen Migranten, die nicht blieben, sondern in die industriellen Zentren wie das Ruhrgebiet weiterzogen.

Ohne seine Migranten wäre der Boom Berlins im 19. Jahrhundert nicht möglich gewesen, und die Stadt ist auch heute ohne sie nicht denkbar.

Mittag bei Borsig, Gemälde von Hans Baluschek © bpk / Knud Petersen

Um 1910 stellten Zugewanderte aus Polen 60 % der Berliner Bevölkerung mit Migrationshintergrund. Sie engagierten sich in Vereinen, organisierten Hilfe für Neuankömmlinge und betrieben eine eigene Zeitung. Sie lebten nicht in eigenen Vierteln und auch die Anzahl der Ehen mit deutschen Frauen und Männern war groß. In einer Zeit zunehmender Nationalisierung verschlechterte sich das Klima ihnen gegenüber zwar zunehmend. Dennoch blieben Viele auch nach dem Ersten Weltkrieg und des in der Folge neu entstandenen Staates Polen in Berlin.

„Aus Preußisch-Polen. Die beginnende Enteignung.“, Karikatur von H. G. Jentzsch, aus: Der wahre Jacob, Nr. 687, 16. November 1912, S. 7704 © Universitätsbibliothek Heidelberg, Der wahre Jakob: illustrierte Zeitschrift für Satire, Humor und Unterhaltung — 29.1912, Seite 7704 - CC-BY-SA-3.0. http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/wj1912/0375

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