Salzburger in Ostpreußen im 18. Jahrhundert

Wie die Hugenotten im 17. Jahrhundert sind die Salzburger Emigranten im 18. Jahrhundert ein bekanntes Beispiel für die Aufnahme von Glaubensflüchtlingen in den Ländern der Hohenzollernmonarchie. 1731/32 wies der Fürsterzbischof von Salzburg seine lutherischen Untertanen – ungefähr 20 000 an der Zahl – aus seinen Landen aus. Das Vorgehen führte zu einer Welle der Empörung unter den Protestanten im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Bereits im Vorfeld der Ausweisung hatte der preußische König Friedrich Wilhelm I. signalisiert, die Salzburger Lutheraner*innen aufnehmen zu wollen: nicht in Brandenburg, sondern im ebenfalls seit den Kriegen des 17. Jahrhunderts sowie nach einer Pestepidemie des Jahres 1709 bevölkerungsarmen Ostpreußen. Bisherige Ansiedlungsversuche des Königs, teilweise aus anderen Ländern seiner Herrschaft unter Militäreinsatz zwangsweise angeordnet, waren wenig erfolgreich geblieben. In den Salzburgern, die größtenteils Bauern waren, erblickte man am Berlin-Potsdamer Hof die Chance, die Gebiete in Preußisch-Litauen wieder zu bevölkern.

Friedrich Wilhelm I., selbst nicht zögerlich, wenn es beispielsweise darum ging, seine katholischen Untertanen als politische Verhandlungsmasse einzusetzen, wusste die Aufnahme der Vertriebenen aus Salzburg innen- wie außenpolitisch geschickt einzusetzen. Seinen hauptsächlich lutherischen Untertanen und der protestantischen Öffentlichkeit des Alten Reichs gegenüber konnte sich der reformierte König als Schutzherr aller Protestanten inszenieren. Medienwirksam wurde der auf unterschiedlichen Routen erfolgte Zug der Salzburger von zahlreichen Publikationen und Flugschriften begleitet. Von Berlin und Frankfurt an der Oder ging er über Stettin und die Ostsee weiter nach Königsberg und von dort nach Preußisch-Litauen. Nur etwa 12 000 der Emigranten überlebten die Strapazen der Reise und die ersten Jahre in der neuen Heimat. Viele der Aufgenommenen waren alleinstehend, ihre Familien auseinandergerissen.

Wie die Hugenotten in Brandenburg waren die Salzburger*innen mit zahlreichen Privilegien ausgestattet, um ihnen den Neubeginn in der Fremde zu erleichtern. Dahinter verbargen sich vornehmlich Erwägungen, dass das Land durch eine erfolgreiche Ansiedlung und Bewirtschaftung profitiere. Zudem erwartete der König sich in der Folge neue Rekruten für seine Armee. Anders als bei den Hugenotten setzte Friedrich Wilhelm I. darauf, die Salzburger*innen nicht in eigenen Gemeinden anzusiedeln, sondern sie in bestehenden Dorfgemeinschaften mit der einheimischen Bevölkerung zu durchmischen.

Dort fielen die Trachten und Essgewohnheiten der Zugewanderten auf. Probleme bereiteten ihnen die Umstellung ihrer gewöhnten bäuerlichen Arbeitsweise in den Alpen im Unterschied zum flachen Land und den fremden Strukturen vor Ort. Durchaus gab es Widerstände der Salzburger*innen gegen die staatlichen Verordnungen. Auch die Sprache und die Zuweisung von Gütern führten am Anfang zu Missverständnissen zwischen Einheimischen und Angesiedelten. Doch dies blieben anfängliche Schwierigkeiten.

Der preußische Hofmaler Antoine Pesne, selbst Migrant wie zahlreiche Künstler am Hof der Hohenzollern in Berlin und Potsdam, porträtierte drei der Salzburger Emigranten. Die ersten beiden Gemälde entstanden als Paar, der Fokus liegt auf der Tracht und den Gesichtern der Dargestellten. Bei der Emigrantin ganz unten handelt es sich, so ist es auf der Rückseite des Gemäldes zu lesen, um „Elisabeth Oberbüchlerin – vom St. Johannischen Ambt – aus dem Salzburgischen – alt 18 Jahr.“ Es entstand im Auftrag der Königin Sophie Dorothea, der die junge Frau bei dem Aufenthalt einer der Salzburger Gruppen in Berlin aufgefallen war. Es handelt sich um äußerst seltene Beispiele für Porträts von Migranten im 18. Jahrhundert.

Migration in Brandenburg - ein historischer Überblick

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