„Umsiedler*innen“ und Neuanfang 1945

Mit dem Sieg der Alliierten über das nationalsozialistische Deutschland endete 1945 der Zweite Weltkrieg. Es wurde unter den USA, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion in vier Besatzungszonen gegliedert. Brandenburg gehörte zur Sowjetischen Besatzungszone (SBZ). Das Land war bis in die letzten Kriegstage Schauplatz erbitterter Gefechte und gehörte zu den von Verwüstungen besonders betroffenen Teilen Deutschlands. Ganze Ortschaften und Städte lagen in Trümmern, Eisenbahnlinien, Straßen, Felder und Deiche waren zerstört. Hunger und Krankheit bedrohten das Leben der Menschen. In dieser Zeit der Not entwickelte sich Brandenburg zudem zu einem der Hauptaufnahmegebiete für Geflüchtete und Vertriebene aus Ost- und Südosteuropa. Bereits bis Sommer des Jahres 1945 kamen über 600 000, und ihre Zahl stieg stetig.

Die Menschen kamen vor allem aus dem heutigen Polen, Tschechien, Russland, der Ukraine und Rumänien nach Brandenburg, und mit ihnen neue Dialekte und Gebräuche. Als Deutsche ausgewiesen, geflohen oder vertrieben hatten sie weder Hab noch Gut. Im offiziellen Sprachgebrauch der SBZ und der späteren DDR durften sie jedoch weder Flüchtlinge noch Vertriebene genannt werden. Über ihre Erfahrungen und ihr Leid konnten sie nicht erzählen. Stattdessen wurden sie euphemistisch zunächst als „Umsiedler“ und dann als Neubürger bezeichnet. In Potsdam entstand die sogenannte Zentralverwaltung für deutsche Umsiedler. Sie lenkte die Aufnahme der Geflüchteten und Vertriebenen durch lokale Behörden. Untergebracht waren die Menschen notdürftig in Lagern und bei den einheimischen Brandenburger*innen in Häusern und Wohnungen. Mit der Bodenreform erhielten schließlich viele von ihnen Land und wurden so zu „Neubauern“. Das Wohnungsproblem war dadurch nicht gelöst, denn zu dem bewirtschafteten Land fehlte ihnen oftmals Haus und Hof. Doch immerhin hatten umfangreiche Bauprogramme dem bis 1953 eine erste Abhilfe geschaffen. Die so entstandenen Häuser, zum Teil vollkommen neue Siedlungen, prägen bis heute die Dorflandschaften Brandenburgs mit.

Nicht alle sind geblieben. Doch die „Umsiedler*innen“ gestalteten den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg in Brandenburg mit. Für sie war es in doppelter Hinsicht ein Neuanfang – Wiederaufbau eines stark zerstörten Landes und der Beginn eines Lebens in einer neuen Heimat.

Flüchtlinge aus Schlesien auf dem Weg zu ihrer Neubauernstelle bei Wriezen im Oderbruch, 3.2.1946 © bpk / US-Army

Baracke mit provisorischen Ställen und Vorratsräumen dahinter für „Umsiedler“ und Vertriebene, Premnitz, Oktober 1946 © bpk / Herbert Hensky

In Baracken wie diesen waren die „Umsiedler*innen“ lange Zeit notdürftig untergebracht. In der Provinz Brandenburg lag ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung Ende 1947 bei fast 40%. Das im selben Jahr angestoßene Bauprogramm für Neubauern kam nur schleppend in Gang. Noch 1950 besaßen viele von ihnen weder Haus noch Hof. Mit Schuldenerlässen und Möglichkeiten, sich Maschinen für die Landwirtschaft zu leihen, wurde versucht, die schlechte Ausgangslage der „Umsiedler*innen“ zu verbessern.

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